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Griechenland

Diese Artikel sind als Referate von den Teilnehmern des Schüleraustausches Thessaloniki - Speyer 1997/1998 geschrieben worden.

Inhalt

Architektur im antiken Griechenland

Die Grundlagen der griechischen Architektur wurden in einem Zeitalter gelegt, als die griechische Zivilisation begann, ihre eigenen Werte zu entwickeln:

  • gemeinsame Mythen (Mythos: Sage und Dichtung von Göttern, Helden und Geistern),
  • gemeinsame Kulte (Kult, lat.: die Pflege; eine an feste Formen gebundene Religionsausübung einer Gemeinschaft),
  • Festspiele (Olympia) und
  • einheitliche Architektur entstanden.

Der Zeitraum der griechischen Baukunst erstreckt sich etwa von 800 bis 100 vor Christus. Ihr wichtigster Bautypus war neben dem ebenfalls als göttliche Weihestätte dienenden Theater der Tempel. Wie die Ägypter verstanden die Griechen ihren Tempel als Wohnhaus eines Gottes, dessen Statue im nur Priestern zugänglichen Inneren aufgestellt war. Diese Tempel wurden aus dem vorgriechischen Megaron (griech.: das Geräumige), einem rechteckigen Wohnhaus mit Herdraum, Vorhalle und säulengestütztem, offenen Eingangsraum an einer der Schmalseiten entwickelt. Der Innenraum des Tempels, Cella genannt, wurde mit luftgetrockneten Lehmziegeln ummauert und verputzt. Für Säulen, Gebälk, und Dach wurde Holz verwendet. Die Bauten konnten aber der Witterung nicht trotzen und wurden zunehmend durch Steinmaterial ersetzt (6. Jhdt.).

Bauprinzip eines griechischen Tempels

Rechteckiger Gliederbau mit vertikalen (senkrechten) tragenden Säulen (Stützsystem) und horizontal (waagrecht) lastenden Teilen (Gebälk) ohne Wölbungen (Lastsystem). Die Cella steht auf einem dreistufigen Unterbau (Stylobat), der zur Mitte hin leicht erhöht ist (Kurvatur), ebenso das Gebälk. Der Cella können Säulen vorgelagert, oder sie kann mit Säulen umgeben werden, je nach entsprechender Säulenordnung. In der Cella, die das Götterbild enthielt, fand zur Abstützung von Decke und Dach eine Unterteilung durch meist zwei Säulenreihen statt. Da der Innenraum aber keine repräsentative, nach außenhin wirkungsvolle Funktion besaß, wurde die Außenansicht zur Hauptsache. Der Altar befand sich vor dem Tempel im Freien. Als Schmuck traten Skulpturen im Giebelfeld, Reliefs in den Metopen und Friesen, Terrakotta-Ornamente an Gesimsen und auf dem Giebel und Bemalung hinzu. Dachform war ein flaches Satteldach.

Tempelordnungen

  • Dorisch (älteste der klassischen Ordnungen, entstanden ab dem 7.Jhdt.)
  • lonisch (seit etwa 570 v.Chr.)
  • Korinthisch (ab etwa 400 v.Chr.)

Geschichte Makedoniens

Makedonien, der nordöstliche Teil Griechenlands, lässt sich sowohl in verschiedene Zeitalter, als auch in verschiedene Gebiete aufteilen.

1. Zeit.

Prähistorische Zeit

Ohne zu weit zurückgreifen zu wollen, beginnt die Zivilisationsgeschichte Makedoniens bereits Ende des 5. Jahrtausend vor Christus. Bis zu dem 10. Jahrhundert vor Christus machte es eine steile Entwicklung durch: Anfangs noch in einfachen Pfahlbauten lebend und auf Viehzucht spezialisiert, bildeten sich in der Bronzezeit schon erste Kernsiedlungen, die bevorzugt in mittlerer Gebirgslage gegründet wurden, mit zweiräumigen Häusern und mit einem, wenn auch primitiven, Straßennetz. In dieser Zeit bildeten vor allem Fleisch von Rindern, Schafen und Ziegen, Hülsenfrüchte und Getreide die Nahrungsgrundlage der Bewohner Makedoniens. In der Eisenzeit gab es ebenfalls einige Fortschritte: Häuser mit Steinsockeln hatten oft Mauern aus Fachwerk; Bronzegegenstände, insbesondere Schmuck, und Eisenwaren, zum Beispiel für Waffen, konnten hergestellt werden.

Geometrische und archaische Zeit

In dieser Epoche war Makedonien der Ort für hunderte Kolonisten aus Südgriechenland, die Hafenstädte wie Methone, Sane, Skione, Potidaia oder Akanthos an den Küsten der Piera und der Chalkidike gründeten. Als autarkes Land, was lebenswichtige Produkte angeht (Hölzer, Getreide, Wild, Fische, Vieh, Metalle), entwickelte es sich schnell zum Exporteur für andere griechische Staaten.

Klassische Zeit

Unter der Verwaltung seines ersten großen Führers Alexander I. dehnte sich das Herrschaftsgebiet des makedonischen Königreichs über das Tal des unteren Strymon (Fluss im Nordosten Griechenlands)und bis in das Gebiet des Anthemus (in der Mitte von Chalkidike) aus. Dies brachte vor allem wirtschaftliche Vorteile, zum Beispiel die Sicherstellung der Ausbeutung bestimmter Silberbergwerke im Gebiet des Praias-Sees. Der Eintritt in die Geschichte Südgriechenlands wurde dadurch entschieden, dass die Hellanodiken 496 vor Christus Alexander I. erlaubten, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Nach Perdikkas II., dem erstgeborenen Sohn Alexanders und König zwischen 454 und 412 vor Christus, folgte Archealos, der umfassende Reformen in Verwaltung, Militär- und Handelswesen schaffte. In seiner Amtszeit wurde die Verteidigung des Landes organisiert, der wissenschaftliche und kulturelle Kontakt zu Südgriechenland intensiviert und mit der Anlage eines Straßennetzes begonnen. In den vierzig Jahren nach seinem Tod litt das Land unter vielfältigen Auseinandersetzungen, Neuordnungen, und mehreren Könige mit kurzer Herrschaftsdauer. Erst als Philipp II. (359 vor Christus) an die Macht kam, erlangte Makedonien wieder die alte Stärke. Ihm gelang es nicht nur, die Macht der Zentralgewalt im Innern zu stabilisieren und das Heer durch Reorganisationen schlagkräftiger zu machen, sondern sorgte auch für die Stärkung schwächerer Gebiete, indem er Bevölkerungsteile dorthin umsiedelte.

Hellenistische Zeit

Diese Zeit war vor allem von den heftigen Kämpfen um die Thronfolge geprägt. Auf Kassander (316 bis 298 vor Christus), zu dessen kulturellen Leistungen die Gründung Thessalonikis und Kassandreias gehört, folgten Demetrios Poliorketes (293 vor Christus), Pyrrhos (289 vor Christus), Lysimachos und Ptolemaios Keraunos (281 vor Christus), die alle das Land in ein fortwährendes Blutbad stürzten und das Königreich mit ihrer ungeschickten und egozentrischen Politik schwächten. Trotz alledem wuchs Makedonien zu einem Zentrum der Geisteswelt (Dichter, Wissenschaftler, etc.) in der früh- und mittelhellenistischen Zeit an.

Römische Zeit

In der römischen Zeit wurde das Land in vier Zonen aufgeteilt, deren Bewohnern verboten war untereinander zu heiraten und Grundbesitz zu veräußern oder zu erwerben. Die Makedonen wurden zwar als "frei" bezeichnet, standen aber dennoch unter römischer Verwaltung: Sie zahlten Steuern und mussten für die Aufrechterhaltung eines Heeres sorgen, das die Grenzen gegen die nordöstlichen Barbarenstämme sichern sollte. Die Situation hielt keine zwanzig Jahre an. Die antirömischen Gefühle und die Verschlechterung der Lage im Innern führten zum Aufstand, der jedoch bald von römischen Legionen niedergeschlagen wurde (148 vor Christus). Danach beschloss der Senat das Land in eine Provinz (die erste im Osten) umzuwandeln. Rom schickte Statthalter mit Sitz in Thessaloniki und Truppen nach Makedonien. Die Zeit von 148 vor Christus bis zur Machtübernahme des Augustus (27 vor Christus) war eine der niederdrückendsten für das Land: Barbarenüberfälle, der Einfall des von den Maedern, Dardanern und Sintern unterstützten Königs des Pontischen Reiches Mithridates VI. zu Beginn des folgenden Jahrhunderts, Unruhen und Bürgerkriege (Pompeius - Caesar / 49-48 vor Christus und Brutus -Antonius, Oktavian / 42 vor Christus), etc.

Byzantinische Zeit

Während die ländlichen Gebiete aufgrund der wiederholten Einfälle der Goten, Avaren und Slaven verödeten, suchten die Bewohner zunehmend Zuflucht in Städten, die sich in "Zentren intensiven Handelsverkehrs und kultureller Aktivität" verwandelten. In dieser Zeit blühte die Wirtschaft Makedoniens wieder auf: Dafür sprechen sowohl die große Zahl der Steinbrüche (Thasos, Prilep), der Schmelzöfen, der Schmieden für die Herstellung von Waffen und anderen Metallgegenständen, der Töpferwerkstätten und Produktionsstätten für Mosaike aus Glaspasten, als auch Informationen über Agrarflächen, Salinen, Färbereien, Handelsmärkte und Lederhandel.

Zeit der Frankenherrschaft

Mit dem Zusammenbruch des byzantinischen Reiches und seiner Aufteilung durch westliche Kreuzfahrer wurde ganz Makedonien dem fränkischen Königreich Thessaloniki zugeteilt. Trotz ihrer Vorherrschaft mussten sie sich mit Problemen auseinandersetzen: zum einen gab es Konkurrenzkämpfe untereinander, zum anderen gelangte Johannes Kalojan, der Bulgarenzar, 1206 bis vor die Mauern Thessalonikis. Bis zu seiner Integration in das byzantinische Kaiserreich, das sich nach 1261 mit der Besetzung der Hauptstadt durch Michael VIII. Palaiogolos restauriert, steht Makedonien im Mittelpunkt von Expansionsplänen, Überlebens- und Herrschaftsinteressen und Versuchen zur Wiedererlangung verlorener Macht. Die katastrophale Lage in allen Bereichen ermöglichte es den Serben, unter Kral Duan tief nach Süden vorzurücken (nach 1282), und den Söldnern der katalanischen Kompanie, Chalkidiki und den Athos zu plündern und zu verwüsten (nach 1308).

Zeit der Türkenherrschaft

Und während in den verödeten Städten (unter anderem auch Thessaloniki) Bevölkerungsgruppen aus anderen Gebieten des osmanischen Reiches angesiedelt wurden, wurden andere Städte, wie zum Beispiel Gianitsa mit ausschließlich türkischen Siedlern neu gegründet. Die Bewohner lebten in getrennten Gemeinden, welche kollektiv für die Ausführung der Befehle der Zentralgewalt, für die Aufrechterhaltung der Ordnung und vor allem für die Aufbringung der Steuern verantwortlich waren. Gemäß dem Verwaltungssystem des osmanischen Reiches, dessen Grundlage die Militärorganisation bildete, waren die europäischen Besitzungen eine einzige militärisch-zivile Einheit. Mittlerweile wurde diese weitläufige Einheit in kleinere Bezirke unterteilt, mit dem Ergebnis, dass Makedonien in mehrere Teile zerfiel. Wie schon in der byzantinischen Zeit wurden in den fruchtbaren Tälern Makedoniens Getreide, Äpfel, Oliven, Trauben, Flachs und Gemüse angebaut. Im Laufe der Jahrhunderte kamen Tabak, Baumwolle und Reis hinzu. Die Gründung von Siedlungen und die Intensivierung der Viehzucht führten zum dahinschwinden der Waldgebiete. Auch in der Wirtschaft tat sich einiges: Goldschmiede, Kürschner, Färber, Waffenschmiede, Kerzenmacher und Tuchmacher verwandelten innerhalb weniger Jahrzehnte Städte in betriebsame Produktions- und Handelszentren. Sie waren unter anderem für Wohlstand, Wirtschaftskraft, expandierender Bauwirtschaft und größerem Wettbewerb verantwortlich. Durch Unterstützung reicher Makedonen, beispielsweise Manolakes (1682) oder D. Kyritzes (1697), konnten junge Griechen in Berosia, Serrhes, Naussa, Ochrid, Kleisura und Kozani die Schule besuchen. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts, unterbrochen durch die russisch-türkischen Kriege (1736-1738 und 1768-1777), blühte das makedonische Hinterland erneut auf.

Neuere Zeit

1821 gab es eine Revolution auf dem Peloponnes: Zwar konnten die terroristischen Anschläge des türkischen Heeres mit Festnahmen in Thessaloniki die Rebellenführer Emmanuel Pappas und Kallinikos Stamatiades auf dem Athos und auf Thasos nicht entmutigen, doch wurde Operation aus Mangel an Kämpfern und Kriegsmaterial entkräftet.

2. Einteilung Makedoniens in Gebiete.

Makedonien kann in vier große Teile gegliedert werden:

Zentralmakedonien/Niedermakedonien

Es umfasste die heutigen Präfekturen von Piera, Emathia, Thessaloniki, Pella und Kilkis. Von diesen Gebieten bildeten die Piera und vor allem die Bottiaia den Kern des makedonischen Königreichs. In diesem Gebiet entstanden die ältesten Städte der Makedonen: Es entwickelten sich blühende, damals an Flüssen und Seen gelegene Siedlungen des Neolithikums (Nikomidia, Gianitsa, Mandalo/Pella), der Bronzezeit (Spathai am Olymp, Assiros) und der Eisenzeit (Pydna, Palaio Gynaikokastro in Kilkis, Toumpa/Thessaloniki, Vergina).

Chalkidiki

Die Bottiaier ließen sich auf der von Pelasgern und Hedonen besiedelten Halbinseln nieder, wurden aber später von den Temeniden und Kolonisten aus Südgriechenland (Eretriern, Chalkidiern) verdrängt (8.-7. Jahrhundert vor Christus). Dennoch entwickelten sich die Städte auf den drei Landzungen, Pallene (die Halbinsel der Kassandra), Sithonia und Akte (der Berg Athos), sowohl im Landesinnern als auch an den Küsten gegründet wurden, selten über das Stadium einer kleinen Landstadt hinaus.

Ostmakedonien

Nach den Erschütterungen des Peloponesischen Krieges (Athen - Sparta) fällt das Gebiet an den König der Makedonen Philipp II. (357 vor Christus) und wird in den Staat der Temeniden integriert.

Westmakedonien/Obermakedonien

Bewohnt von miteinander verwandten Stämmen (Orester, Lynkesen, Elimeioten, Tymphäern, Pelagonen) und unterteilt in kleine Königreiche, wird es von Philipp II. mit dem von verwandten Stämmen bewohnten Niedermakedonien vereint.

Geographie Griechenlands

Griechenland besteht aus dem südlichsten Teil der Balkanhalbinsel und zahlreichen Inseln. Die Gesamtfläche beträgt 131 957 Quadratkilometer; davon entfällt rund ein Fünftel auf die Inseln im Agäischen und lonischen Meer. Griechenland erstreckt sich von Norden nach Süden über rund 750 Kilometer, von Westen nach Osten über etwa 900 Kilometer (mit Inseln).

Die gesamte Küstenlänge des Landes beläuft sich auf mehr als 15 000 Kilometer. Kein Ort des Festlandes liegt mehr als 150 Kilometer von der Küste entfernt. Gebirge nehmen den größten Teil Griechenlands ein und werden durch zahlreiche Täler voneinander getrennt. Griechenland gliedert sich in mehrere Landschaftsräume; das zentrale Faltengebirge, die gebirgige Gegend im Westen, die Ebenen und niedrigeren Bergketten von Thessalien, Makedonien und Thrakien im Osten, die Halbinsel Attika (die Wiege der Stadtstaaten Griechenlands) im Südosten, die Peloponnes und die griechischen Inseln, von denen sich die meisten im Ägäischen Meer befinden.

Der sich von Norden nach Süden erstreckende Gebirgszug des Pindos ist eines der unwegsamsten und am dünnsten besiedelten Gebiete des Landes. Der Pindos trennt Thessalien im Osten von Epirus im Westen. Das durch tiefe Schluchten gegliederte Gebirge erreicht eine Höhe bis zu 2 637 Meter und bildet die Wasserscheide zwischen lonischem und Ägäischern Meer. Das Gebirgssystern setzt sich im Süden auf der Peloponnes fort. Die Peloponnes ist gebirgig, jedoch nicht im gleichen Maß wie Mittelgriechenland. Vorherrschend sind die nur schwer passierbaren Bergzüge Arkadiens, die stellenweise bis an die Küste reichen und sich fingerförmig ins Meer erstrecken. Die gebirgige Landschaft der größten Halbinsel Griechenlands setzt sich in einem weiten Bogen über Kreta und die Südlichen Sporaden bis ins türkische Festland fort. Der Nordosten und Osten des Landes sind durch den Wechsel von Hochgebirgen und Becken stark gegliedert. Der Olymp ist mit 2 917 Metern die höchste Erhebung Griechenlands und wurde in der Antike als Sitz der Götter betrachtet.

Die Region Makedonien hat eine Ausdehnung von circa 66 000 Quadratkilometern. Mehr als die Hälfte des Gebiets gehört zur griechischen Provinz Makedonien im Norden und Nordosten Griechenlands. Die Landschaft ist überaus abwechslungsreich. Gebirgsregionen überwiegen zwar, aber dazwischen bilden die Flüsse Aliákmon, Axios (im Oberlauf Vardar), Nestos und Strimon, die alle ins Ägäische Meer münden, breite Flusstäler. Landschaftlich besonders markant ist im Norden des Landes die Halbinsel Chalkidike im Süden der Region Makedonien; diese wird ebenfalls von weiten Ebenen eingenommen. Im Südosten der Halbinsel erhebt sich auf der Landzunge Agion Oros der 2 033 Meter hohe Berg Athos.

Thrakien weist eine abwechslungsreiche Topographie auf. Die Region wird von den südlichen Ausläufern der Rhodopen erreicht, zwischen denen breite Flusstäler verlaufen. Die Inseln im Ägäischen Meer gehören mit Ausnahme von wenigen türkischen Inseln zu Griechenland. Im Allgemeinen zerklüftet, steinig und trocken, sind sie jedoch auf Grund ihrer landschaftlichen Schönheit und ihrer Rolle in der Geschichte attraktiv für den Tourismus. Dadurch leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaft des Landes.

Mit 291 Kilometern ist der Aliakmon längster Fluss des Landes; er entspringt im Norden und mündet in das Ägäische Meer. Größter See in Griechenland ist mit einer Fläche von 81 Quadratkilometern der Limni Vegorritis. Das Land ist durchsetzt von kleinen Tälern, in denen die Böden aus der fruchtbaren "Terra rossa" (rote Erde) des Mittelmeergebiets bestehen. In vielen Gebieten sind die Böden aufgrund geringer Niederschläge ausgesprochen trocken.

Klima Griechenlands

Der mediterrane Charakter des Klimas wird durch die Höhenlage sowie im Norden durch kontinentale Einflüsse überprägt. In den tieferen Lagen sind die Sommer heiß und trocken, die Winter sind feucht und regnerisch. In den höheren Lagen im Gebirge ist es wesentlich kühler; dort fallen auch in den Sommermonaten hohe Niederschläge. In den tieferen Lagen sind Frost und Schnee selten; die Berge sind im Winter schneebedeckt. Im Sommer wird Griechenland oft von nördlichen Winden erreicht. Auf Kreta und anderen südlich gelegenen Inseln weht bei bestimmten Wetterlagen aus Süden der warme Schirokko. Die mittlere Jahrestemperatur liegt in Athen bei 17 °C. Die Niederschlagsmenge ist in den einzelnen Regionen unterschiedlich hoch. Die westlichen Gebiete sind wesentlich feuchter als die im Lee der niederschlagsbringenden Winde liegenden östlichen Regionen.

Bevölkerung Griechenlands

Griechenland hat etwa 10,4 Millionen Einwohner. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 79 Einwohnern pro Quadratkilometer. Sowohl die Geburtenziffer (früher eine der höchsten Europas) als auch die Sterberate gingen in den letzten Jahren zurück. Mittlerweile liegt die jährliche Bevölkerungszunahme bei etwa 0,5 Prozent. Rund 63 Prozent der Bevölkerung wohnen in Städten. Ein Großteil der Stadtbewohner lebt in den Ballungsräumen Athen und Thessaloniki. Zu den Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte zählen außerdem die fruchtbaren Küsten- und Beckenlandschaften. Demgegenüber sind weite Teile des Landesinneren ausgesprochen dünn besiedelt. Anhaltende Landflucht führte zu starker Abnahme der Bevölkerung in Bergregionen. Die Bevölkerung des Landes besteht zu rund 98 Prozent aus Griechen. Etwa drei Millionen Griechen leben im Ausland. In den neunziger Jahren ist die Zahl der Auswanderer rückläufig, während die Rückwanderung nach Griechenland zugenommen hat. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist mit 78 Jahren sehr hoch. Der Lebensstandard ist im Vergleich zu anderen EU-Staaten relativ niedrig. Die medizinische Versorgung ist regional sehr unterschiedlich. Während die Zahl der praktizierenden Ärzte in den Großstädten ausreicht, ist die Versorgung in ländlichen Gegenden, vor allem in den gebirgigen Regionen, nur bedingt gewährleistet

Wichtige Städte Griechenlands

Die größte Stadt Griechenlands ist die Hauptstadt Athen mit etwa 3,1 Millionen Einwohnern im Ballungszentrum (Agglomeration). Piräus, der Hafen Athens, ist der größte Hafen Griechenlands. Thessaloniki ist mit rund 380 000 Einwohnern ein bedeutendes Zentrum der Textilindustrie. Die meisten berühmten Städte der Antike wie Argos, Korinth und Sparta sind heute kleine Städte.

Wirtschaft Griechenlands

Die Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle in der griechischen Wirtschaft. Die in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg errichteten Industrieanlagen wurden in großem Umfang während des 2. Weltkrieges und des späteren Bürgerkrieges zerstört. Der Ausbau der Industrie wurde durch das Fehlen von Brennstoffen sowie durch die Probleme bei der Nutzung der Wasserkraft erschwert. Trotz dieser Hindernisse erholte sich das produzierende Gewerbe während der sechziger Jahre, und 1970 überstieg der Beitrag der verarbeitenden Industrie zum ersten Mal den Beitrag der Landwirtschaft. Die beiden Haupteinnahmequellen Griechenlands sind die Schifffahrt und der Fremdenverkehr. Anfang der achtziger Jahre kamen die Einnahmen aus der Erdölförderung hinzu, um die Wirtschaft des Landes zu unterstützen. Wesentliche Probleme der griechischen Wirtschaft sind die hohe Staatsverschuldung und relativ hohe Inflationsraten.

Auch in der Region Makedonien ist der wichtigste Wirtschaftszweig die Landwirtschaft. Hauptanbauprodukte sind dort Tabak, Getreide (vor allem Gerste, Mais und Weizen), Baumwolle und Obst (u. a. Weintrauben), auch Schaf- und Ziegenhaltung sind weit verbreitet. Darüber hinaus ist der Bergbau von Bedeutung. Im Südwesten Makedoniens sind viele Einwohner in der Holzindustrie beschäftigt. Neben Braunkohle werden auch Erdöl und Erdgas gewonnen, seit 1981 auch durch Offshorebohrungen. Größtes Produktionszentrum ist Thessaloniki, eine der wirtschaftlich wichtigsten Hafenstädte im Südosten Europas. Sie ist Verwaltungssitz des Verwaltungsgebiets Thessaloniki am Thermaischen Golf und einer der größten Industriestandorte Nordgriechenlands. Schlüsselindustrie sind Schiffbau, Textil- und Lederindustrie. Vom Hafen aus werden Erze und Tabak exportiert.

Landwirtschaft

Rund ein Viertel aller griechischen Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft, deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt 15 Prozent beträgt. Aber die Produktivität steht in keinem Verhältnis zu der großen Belastung, die der landwirtschaftliche Sektor für die Wirtschaft darstellt. Die Betriebe sind klein und die Aufteilung der Höfe durch Erbschaften reduzierte sie auf eine durchschnittliche Größe von etwa 3,4 Hektar, was den wirksamen Einsatz von Maschinen erschwert. Dazu werden auf Grund von Trockenheit und Bodenerosion häufig nur geringe Erträge erzielt. Wegen des in weiten Teilen gebirgigen Charakters des Landes sind die Voraussetzungen für eine agrarische Nutzung relativ ungünstig. Etwa 25 Prozent der Landesfläche werden ackerbaulich genutzt. Tabak zählt zu den Hauptanbauprodukten und trägt rund drei Prozent zu den jährlichen Exporterlösen des Landes bei. Darüber hinaus ist der Anbau von Weizen, Tomaten, Orangen, Mais, Zuckerrüben. Weintrauben, Oliven, Kartoffeln, und Baumwolle bedeutend. Wichtigste Anbaugebiete sind die fruchtbaren Ebenen in Makedonien, Thrakien und Thessalien sowie die Küstenregionen des Festlandes und einige Inseln. Die gebirgigen Regionen werden überwiegend zur Tierhaltung genutzt. Dabei dominiert die Zucht von Schafen, gefolgt von Ziegen, Rindern, Geflügel und Schweinen.

Forstwirtschaft und Fischerei

Rund zwei Drittel des Waldes in Griechenland befinden sich in staatlichem Besitz. Die Regierung leitete Aufforstungsmaßnahmen des während des 2. Weltkrieges zerstörten Baumbestands ein. Die forstwirtschaftliche Nutzung der Wälder ist nur bedingt rentabel, da der Zustand der Wälder aufgrund von Bodenerosion und Waldbränden relativ schlecht ist. Ein weiterer Aspekt bei der Nutzung von Wäldern ist die Gewinnung von Harz, das für die Produktion von Retsina benötigt wird. Die Fischerei ist nur von geringer Bedeutung. Die Fischerträge (überwiegend Sardellen, Sardinen und Thunfische) werden zumeist innerhalb Griechenlands konsumiert. Schwämme sind das führende Exportprodukt der Fischereiwirtschaft. Die Fischbestände im Mittelmeer wurden während der vergangenen Jahrzehnte durch starke Überfischung und Verschmutzung des Meerwassers dezimiert.

Bergbau

Obwohl der Bergbau für die griechische Wirtschaft nur eine relativ geringe Bedeutung hat, wird doch eine Vielfalt unterschiedlicher Bodenschätze abgebaut. Das Land verfügt über bedeutende Erdöl- und Erdgasvorkommen, die untermeerisch in der Ägäis bei der Insel Thasos entdeckt wurden. Mit der Förderung konnte allerdings erst in den Achtziger Jahren begonnen werden, nachdem der in der betreffenden Region strittige Grenzverlauf mit der Türkei geklärt worden war. Die Bauxit- und Eisenerzreserven haben einen hohen Metallgehalt. Im Vergleich dazu sind die Lagerstätten anderer wirtschaftlich bedeutender Bodenschätze wie Chrom, Nickel, Kupfer, Uran und Magnesium relativ klein. In Steinbrüchen werden geringe Mengen an Marmor abgebaut. Zudem erfolgt die Förderung von Salz sowie Silber-, Zink- und Bleierz. Die größten Fördermengen werden bei der Braunkohle erzielt.

Energie

Rund 90 Prozent von Griechenlands elektrischer Energie werden in Wärmekraftwerken durch die Verbrennung von Braunkohle, Steinkohle oder Erdöl erzeugt: der Rest kommt aus Wasserkraftwerken, die in der Mehrzahl am Fluss Acheloos im Pindos angelegt wurden. Im Energiesektor wird eine verstärkte Nutzung von Wasserkraft, Sonnenenergie und Braunkohle angestrebt, um die Abhängigkeit von den Erdölimporten zu reduzieren.

Industrie

Rund ein Fünftel aller Erwerbstätigen ist im verarbeitenden Gewerbe beschäftigt, das 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Zu den führenden Erzeugnissen gehören Metalle und Metallwaren, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak, Textilien, Bekleidung, chemische Produkte und Wein. Daneben ist Produktion von Zement, die Verarbeitung von Erdöl und der Schiffbau von Bedeutung Hauptstandort der verarbeitenden Industrie ist Athen.

Währung und Bankwesen

Währungseinheit Griechenlands ist die Drachme. Die Bank von Griechenland ist sowohl Zentralbank als auch Notenbank. Die größten Geschäftsbanken sind die Bank von Griechenland mit über 470 Filialen und die Griechische Landwirtschaftsbank mit 420 Zweigstellen. Die Regierung hat spezielle Finanzierungsprogramme ins Leben gerufen, die Kredite für die industrielle und landwirtschaftliche Entwicklung bereitstellen.

Außenhandel

Griechenlands jährliche Importkosten sind im Algemeinen höher als die Exporterlöse. Dieses Defizit wird zum Teil durch die Einnahmen aus dem Tourismus und den Überweisungen griechischer Arbeitnehmer im Ausland ausgeglichen. Die griechische Wirtschaft hängt auch in hohem Maß von ausländischen Krediten und Investitionen ab, um die Lücke zwischen den Ausfuhrgewinnen und Einfuhraufwendungen schließen zu können. Eingeführt wurden in erster Linie Maschinen und Fahrzeuge, Erdöl und Erdölprodukte, Nahrungsmittel, chemische Erzeugnisse und Rohstoffe für die Industrie. Wichtigste Exportgüter sind Obst und Gemüse, Olivenöl, Bekleidung, Textilien, Felle, Getränke (vor allem Wein), Tabak, Erdölprodukte, nichteisenhaltige Metalle, Eisen und Stahl. Die wichtigsten Handelspartner sind Deutschland, Italien, Japan, die Vereinigten Staaten, Frankreich, die Niederlande und Großbritannien. Die Länder der Europäischen Union waren bei über 60 Prozent zu Griechenlands Außenhandel beteiligt.

Gewerkschaften

Die Gewerkschaften sind in Lokalverbänden nach unterschiedlichen Berufsgruppen organisiert. In jeder Stadt oder industrialisierten Gegend gibt es ein Gewerkschaftszentrum, dem die einzelnen Lokalverbände angehören, und alle Mitglieder einer gleichen Fachgewerkschaft gehören nationalen Verbänden an. Die meisten Gewerkschaftszentren und Verbände stehen unter der Schirmherrschaft der Konföderation der Griechischen Arbeiter.

Verkehrsstruktur

Griechenland hat ein Straßennetz mit einer Länge von rund 100 000 Kilometern: davon sind 83 Prozent befestigt. Fast das gesamte Schienennetz von 2 500 Kilometer Länge befindet sich in Besitz der staatlichen Eisenbahngesellschaft. Teile des Schienennetzes sind allerdings veraltet. Die griechische Handelsflotte gehört zu den größten der Welt. Trotz seiner stark gegliederten Küste verfügt das Land nur über wenige gute Häfen. Im saronischen Golf gibt es die besten Ankerplätze, insbesondere in dem ausgezeichneten natürlichen Hafen von Piräus (dem Hafen Athens). Von wirtschaftlich großer Bedeutung sind darüber hinaus die Häfen von Patras, Thessaloniki und Eleusis. Der Kanal von Korinth stellt eine wichtige Verbindung zwischen dem Golf von Korinth und dem Saronischen Golf dar. Die staatliche Fluggesellschaft bietet einen internationalen und einen nationalen Flugdienst. Die wichtigsten Flughäfen befinden sich in Athen (Hellinikon) und Thessaloniki.

Tourisrnus

Griechenland hat als Reiseland eine jahrhundertelange Tradition. Mittlerweile kommen jährlich mehr als elf Millionen Touristen nach Griechenland, um die archäologischen Stätten zu besuchen und sich im sonnigen Mittelmeerklima zu erholen. Hauptziele des Fremdenverkehrs sind Athen, die Inseln im Ägäischen und Ionischen Meer sowie die antiken Stätten auf der Peloponnes. Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr sind ein wesentlicher Faktor der griechischen Volkswirtschaft, auch wenn sie zum Ausgleich der negativen Handelsbilanz nicht ausreichen.

Geschichte des modernen Griechenlands

Bereits 146 v. Chr. wurde Griechenland von den Römern erobert und war seitdem kein selbständiges Land mehr. Es folgten Spätantike, Früh- und Mittelbyzantinische Zeit und die Fränkische und Spätbyzantinische Zeit. Seit der Spätantike gehörte Griechenland zum Byzantinischen ( Oströmischen- ) Reich, das Anfang des 13. Jhd. teilweise unter westliche Herrschaft fiel.

1453 eroberte der Osmane Mehmet II. Konstantinopel und in den folgenden Jahren weitere Teile Griechenlands und brachte es so unter türkische Herrschaft. Trotzdem blieb das orthodoxe Christentum erhalten, weil den Türken die Einkommen durch die Steuern wichtiger waren als die Bekehrung der Griechen zum Islam. Jedes fünfte griechische Kind wurde jedoch von seinen Eltern getrennt, nach dem Islam erzogen und in den türkischen Kriegsdienst gestellt. Durch die Ausbeutung der Türken wurden die Lebensbedingungen immer schlechter und um 1700 gab es nur noch 1,5 Millionen Einwohner (zur Zeit Alex. d. Gr. waren es 4 Mio). Schließlich bauten die Griechen eine Handelsflotte auf, viele gingen in türkische Dienste und viele, die ausgewandert waren, unterstützten die Griechen in der Heimat.

Ende des I8. Jhd. begannen die Griechen mit Aufständen ihren Freiheitskampf. Sie wurden von Rußland, das gerne einen Zugang zum Mittelmeer gehabt hätte, und von Philhellenen-Vereinen aus dem Ausland, die Waffen lieferten, unterstützt. Der folgende Krieg dauerte von 1821-1829. 1830 müssen die Türken im "Londoner Protokoll" die Unabhängigkeit Griechenlands anerkennen.

Nachdem der erste Präsident 1831 ermordet wurde, wird Prinz Otto aus Bayern König von Griechenland, nach seiner Absetzung 1862 Georg I. aus Dänemark.

In den folgenden Jahren gewinnt Griechenland weiteres Staatsgebiet dazu, Monarchie und Demokratie wechseln sich ab. In den Balkankriegen 1912-1922 fallen die ostägäischen Inseln zu Griechenland, dadurch wird das Staatsgebiet verdoppelt. Der Versuch nach dem 2. Weltkrieg an der kleinasiatischen Küste von der geschwächten Türkei Gebiete zurückzuerobern, schlägt fehl, und auf beiden Seiten gibt es einen riesigen Flüchtlingsstrom. Im Vertrag von Laussanne verliert Griechenland mehrere Inseln und den Anspruch auf die kleinasiatische Küste. 1936 kommt das Regime Metaxas' an die Macht. Viele kommunistisch Denkende werden eingesperrt und gefoltert. Im 2. Weltkrieg kann das griechische Heer das italienische stoppen und drängt es bis Albanien zurück. 1941 unterwirft Deutschland Griechenland, und viele sterben durch Hunger oder werden ermordet. 1967 kommt es nach einem Sturz von Obristen erneut zu einer Gewaltherrschaft, die jedoch nach sieben Jahren wieder zusammenbricht. Nachdem 1974 türkische Truppen an der Nordküste Zyperns landen, machen die Griechen Karamanlis, der früher schon einmal regierte, zum Premierminister. Nach einer Volksabstimmung wird Griechenland schließlich zur Republik.

Die griechisch-orthodoxe Kirche

1054 kam es nach langen Auseinandersetzungen zum Bruch zwischen den Christen des Westens (Rom) und denen des Ostens (Konstantinopel). Diese nannten sich gegenüber der römisch-christlichen Kirche von jenen Zeiten an die »Orthodoxen« (Rechtgläubigen). Sie behaupten, daß sie allein den wahren Glauben bewahrt hätten. Seit 1965 haben orthodoxe und katholische Kirche gegenseitige Verurteilungen aufgehoben, daher sind heute diese Meinungsverschiedenheiten fast ganz überwunden. Uneinig sind sich die orthodoxen und die römisch-katholischen Christen aber immer noch über eine Frage, die schon 1054 der Hauptgrund für die Spaltung war. Welche Stellung hat der Bischof von Rom (Papst)? Hat er als Nachfolger des Petrus die höchste Amtsautorität für die gesamte Kirche? Oder ist er nur Sprecher und Vorsitzender im Kollegium der Bischöfe, wie es der Patriarch von Konstantinopel für die Kirche des Ostens ist? Daher erkennt die orthodoxe Kirche den Papst nicht an.

Die griechische Kirche mit dem Erzbischof von Athen als Oberhaupt bildet zusammen mit verschieden Patriarchaten, darunter auch das ökumenische Patriarchat, unter dessen Jurisdiktion auch die Mönchsrepublik Athos steht, die orthodoxe Kirche. Das grundlegende Bekenntnis der orthodoxen Kirche ist das Nicaenum von 451. Unter Berufung auf ihre "Rechtgläubigkeit" lehnen sie den späteren im Abendland gemachten Zusatz "Filoque" ab.

Als griechisch-orthodox bezeichnet man heute die Kirchen mit griechischer Gottesdienstsprache.

Die Kirche von Hellas

In Griechenland entstanden in der apostolischen Zeit die ersten christlichen Gemeinden des europäischen Festlandes. Obwohl dieses Gebiet politisch Bestandteil der oströmischen-byzantinischen Reichshälfte wurde, unterstanden die griechischen Eparchien (Diozöse, Bistum) dem Metropoliten (Patriarch) von Thessalonike, der seit Anfang des 5. Jahrhunderts als Vikar des römischen Papstes galt. Im Zusammenhang mit dem Bilderstreit unterstellte Kaiser Leon III. im Jahre 732 Ostillyrien und damit auch Griechenland dem Patriarchat von Konstantinopel. So blieb es unter der Türkenherrschaft.

Nach der eigenmächtigen Proklamierung der Autokephalie des Staates Griechenland 1833 wurde der »Heilige Synod (Oberstes Leitgremium der orthodoxen Kirche) des Königreiches Griechenland« mit dem Metropoliten von Athen als Hierarchen gegründet, der aber dem König unterstand. Mit Bestätigung der Autokephalie 1950 durch das ökomenische Patriarch Konstantinopel forderte es vergeblich, daß die Kirche ohne staatliche Einmischung nur nach der kirchlichen Kanones geleitet würde.

1866 wurden die Ionischen Inseln, 1881 Thessalien und ein Teil von Epiros an den griechischen Staat angegliedert. Zu diesen 33 Metropolien kamen nach dem Balkankrieg 1912/13 mit dem nördlichen Teil Epiros und Makedonien weitere 33 hinzu, die aber noch gleichzeitig der Oberheit der ökomenischen Patriarchen unterstanden.

Seit 1922 trugen alle Eparchialbischöfe den Titel des Metropoliten und der Metropolit von Athen besaß den Titel des Erzbischofs.

Während der Militärdiktatur von 1967-1974 mußte der Synod drei Kandidaten zur Besetzung des Bischofsstuhl vorschlagen, von denen die Regierung einen auswählte. Erst in der Verfassung der Republik von 1975 wurde das Patriarchat von 1850 bestimmt und der Kirche die innerliche Selbstbestimmung erlaubt. Doch für die säkularen Belange des kirchlich dem ökomenischen Patriarchat unterstehenden Athos war ein griechischer Gouverneur zuständig.

In der Kirche gibt es 12 Priesterseminare. Theologische Zentren sind vor allem die staatlichen Theologischen Fakultäten an der seit 1837 bestehen Universität von Athen und seit 1941 an der neugegriindeten Universität von Thessalonike. In Athen besteht eine Hochschule für Byzantinische Kirchenmusik. Das dem ökomenischen Patriarchat unterstehende Institut im Kloster Vlatandon in Thessalonike hat mit der Ablichtung sämtlicher auf dem Athos befindlichen Texte eine grundlegende Forschungsarbeit aufgenommen. Nach dem Vorbild älterer Brüderschaften widmet sich die seit 1936 bestehende Apostoliki Diakonia (Apostolische Diakonie) vielfältigen sozialen Aufgaben. Ersthierarch ist seit 1974 der Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Seraphin. Im Erzbistum Athen und den 76 Metropoliten gibt 8 Millionen Gläubige. Es bestehen 200 Klöster mit 1200 Mönchen bzw. Nonnen.

Orthodoxes Glaubensverständnis

Das Wort »Orthodoxie« bedeutet »Rechtgläubigkeit nicht nur im Sinne abstrakter Glaubensiehre«, sondern von »rechter doxa« d. h. rechter Lobpreis, rühmen, anbetende Verehrung, lebendiges, die gesamte menschliche Existenz umfassendes Bekennen. Gerade heutige orthodoxe Theologen verbinden damit gern den Begriff »Erfahrungen« und betonen die Zusammengehörigkeit von Glaubenslehre und Praxis der Kirche, die durch Gottesdienst, Gebet und Lebenshaltung den Erfahrungsstrom der Zeit und Raum übergreifenden Gemeinschaften mit dem Herrn vermittelt.

Nach Sergej Bulgakow ist Orthodoxie »nicht eine Lehre, sondern das Leben in Gott«. Somit ist Glaube nicht nur ein Fürwahrhalten der von der Kirche gelehrten Glaubensinhalte, vielmehr ein vertrautes Sich-von-Gott-erfassen-lassen. Der Titel eines Werkes von Pseudo-Dionyisios Areopagites »Über die mystische Theologie« kennzeichnet orthodoxes Verständnis: Es geht nicht darum, das dem Menschen letztlich unzugängliche Mysterion, das Geheimnis Gottes, rational zu hinterfragen bzw. es zu verstehen. Der Mensch kann nur durch das geheimnisvolle Wirken Gottes erfaßt werden, an ihm teilhaben. Symeon, der Neue Theologe, betonte den lebendigen Glaubensweg: »Es gibt kein anderes Mittel, Gott zu erkennen, als in ihm zu leben.« Im Einklang damit bezeichnet Pawel Jewdokínow die Theologie als »Erkenntnisgemeinschaft«, deren letzte Bestimmung Mystagogie, das Führen zur Einheit mit Gott, sei. Er beruft sich auf das Wort des Gregorius von Nyssa: »Wenn du Theologe bist, wirst du wahrhaftig beten, und wenn du wahrhaftig betest, bist du Theologe.« Daraus folgerte er: »Theologe ist also, wer zu beten weiß, und beten heißt in unaufhörlicher Gemeinschaft mi Gott stehen und die Bibel im Licht der lebenden Gegenwart des Wortes, der brennenden Nähe der Seienden, auszulegen.

Die Glaubensquelle

Der bulgarische Theologe Stéfan Zankóv wies darauf hin, »Daß ... die orthodoxe Kirche die alte Kirche ist und bleiben will, die Kirche der Apostel und der großen Kirchenväter, die Kirche der urchristlichen Zeit, der Zeit der ökumenischen Konzilien und der ungeteilten Kirche: sie glaubt die unmittelbare Erbin und die teure Hüterin dieser alten Kirche gewesen und geblieben zu sein«.

In der orthodoxen Theologie spricht man häufig von zwei Glaubensquellen: der Heiligen Schrift und der Überlieferung (Tradition). Da beide eng aufeinander bezogen werden, kann aber auch wieder nur von einer Quelle des Glaubens die Rede sein. So lesen wir im »Orthodoxen Katechismus des Moskauer Metropoliten Filaret«, von der »Göttlichen Offenbarung als der einzigen Quelle unseres Glaubens. Die übernatürliche Offenbarung ist enthalten in der »Heiligen Schrift und der Heiligen Überlieferung«.

Die Ikone als Symbol des Heilsgeschehens

Eine orthodoxe Kirche ist ohne Ikone undenkbar. Wird die göttliche Liturgie außerhalb einer Kirche zelebriert, so stellt man wenigstens eine Christus- und eine Gottesmutterikone auf. lkonen prägen aber auch das private Leben, denn sie werden auch in den Wohnräumen der Gläubigen aufgestellt und angebetet.

Das Vorhandensein und die Verehrung der lkonen haben sich wohl erst nach dem Bilderstreit des 8. Jahrhunderts allgemein durchgesetzt. Die theologischen Grundlagen waren vor allem von Johannes von Damaskus entfaltet worden. Gestritten hat man besonders um die Darstellung des Gottmenschen Jesus Christus.

Der theologisch sehr zurückhaltende Beschluß des 7. Ökumenischen Konzils zu Nikaia 787 über die Bilderverehrung greift drei Hauptgedanken auf.

  1. Die Bilder erwecken "Erinnerung und Sehnsucht nach den Urbildern".
  2. "Die dem Bild erwiesene Ehre geht auf das Urbild über, so daß, wer das Bild kniefällig verehrt, in ihm die Person des dargestellten verehrt."
  3. Unterscheidet man zwischen der Anbetung (griech. Latreia), die nur Gott gebührt, sowie dem Gruß (aspasmós) und der ehrerbietigen Verehrung (timetiè proskýnesis) für die Bilder.

Die Entstehung der Ikonenmalerei ist mit einer Fülle ästhetischer und gesellschaftshistorischer Momente verknüpft. Die lkonen stehen in unmittelbarem Bezug zur Heiligen Schrift, zu den gottesdienstlichen Hymnen und der symbolischen Bildhaftigkeit des liturgischen Vollzugs sowie den Heiligenviten. Die lkonen dienen als Mittel der Erkenntnis und Weg zur Nachahmung, zur Teilhabe und Gemeinschaft. Sie wollen die Himmel und Erde umspannende Wirklichkeit der Kirche als Leib Christi veranschaulichen, der Vergegenwärtigung des Göttlichen Ausdruck verleihen, das dem im Gottesdienst Anwesenden begegnet und erfüllen soll.

Das gilt nicht nur für die lkonen der Bilderwand und die auf einem Pult ausgelegten lkonen des jeweiligen Tagesheiligen. Das zeigt sich auch im Bildprogramm der - keineswegs in jeder Kirche vorhandenen - Wandmalerei: Von der Kuppel blickt wie vom Himmel der Christus Pantokrator auf die versammelte Gemeinde, in der Übergangszone die vier Evangelisten als Verkünder der Heilsbotschaft. Dem begegnet die von Kirchenvätern, Heiligen und der Gottesmutter als Repräsentantin vom Geist durchdrungener menschlicher Existenz zum Herrn emporgetragene Fürbitte. Eine entsprechende Horizontale führt von den im Altarraum abgebildeten Vätern und Heiligen zur Westwand, auf der häufig das jüngste Gericht dargestellt ist.

Der Kirchenbau

Die malerischen russischen Kirchen mit Zwiebelkuppeln stellen keineswegs einen orthodoxen Normaltyp dar. Der orthodoxe Kirchenbau geht teils auf byzantinische Vorbilder zurück, teils beruht er auf autochthonen künstlerischen Traditionen. Von Fürsten gestiftete Repräsentationsbauten tragen anderen Charakter als die Kirchen in Stadt- oder Dorfgemeinden. Der jeweilige Zeitgeschmack spiegelt sich im Kirchenbau ebenso wieder, wie die wechselnden politischen Verhältnisse. In jedem Lande treten nationale architektonische Besonderheiten deutlich hervor.

Bei aller architektonischen Vielfalt kommt es natürlich darauf an, daß das Kirchengebäude seiner liturgischen Funktion gerecht wird. Dies gilt freilich mehr für die Innengestaltung, während das Äußere wesentlich variabler ist. Normalerweise ist die Kirche geostet - der Altaraum liegt im Osten, der Eingang zur Kirche im Westen.

Als die beiden Grundmodelle erweisen sich die Basilika und der Zentralbau. Die ursprünglich als Palast, Gerichtshalle oder für Handelszwecke benutzte Basilika ist ein längsgerichteter, rechteckiger Raum. Durch Säulenreihen im Inneren ergeben sich Parallelräume, wobei in der Regel das Mittelschiff die Seitenschiffe überragt. Man betritt die Kirche durch die an der westlichen Schmalseite gelegene Tür, kommt durch die Vorhalle (griech. nárthx; ksl. pritwor) in das Kirchenschiff (griech. naós, katholikón; ksl. auch chram [Kirche] im engeren Sinne) und blickt in horizontale Richtung auf den an der östlichen Schmalseite gelegenen, von einer halbkreisförmigen Apsis abgeschlossenen Altarraum.

Demgegenüber ist der von einer Kuppel überdachte Zentralbau, von der senkrechten Dimension, dem Blick nach oben, geprägt. Der Grundriß kann mehreckig oder rund (Rotunde) sein. An ihn schließt sich im Osten die Apsis für den Altarraum an.

Verbreitet ist auch der Typ der Kreuzkuppelkirche, ein Zentralbau über einem Grundriß in Gestalt eines entweder gleicharmigen griechischen Kreuzes oder eines lateinischen Kreuzes, dessen Längsbalken verlängert ist. Über den vier Säulen am Schnittpunkt der Kreuzarme erhebt sich ein von einer Kuppel überwölbter zylinderförnüger Tambour.

Den zahlreichen architektonischen Varianten entsprechend, kann es neben der Hauptkuppel eine unterschiedliche Zahl weiterer Kuppeln geben. Dies läßt sich symbolisch deuten, z. B. können fünf Kuppeln als Ausdruck des von den vier Evangelisten umgebenen Hauptes der Kirche interpretiert werden.

Auf dem Balkan entstanden während der Türkenherrschaft häufig kleine, einschiffige Kirchen mit Satteldach. Auch wenn sie im Inneren der Kreuzkuppelkirche entsprechen, ist das im Außenbau oft nicht erkennbar. Noch heute benutzt man z. B. in Sofia Kirchen, die - um bei den Türken keinen Anstoß zu erregen - so tief in die Erde hineingebaut wurden, daß man über die Empore eintreten muß.

Athos - der heilige Berg

Athos ist die geographische Bezeichnung für die Östlichste der drei Halbinseln der Chalkidiki. Die Chalkidiki liegt im Nord-Osten Griechenlands. Sie ist besonders durch ihre drei fingerförmigen Vorgebirge(Kassandra, Longos bzw. Sithonia und Athos) gekennzeichnet. An ihrem Nord- Westlichen Rand liegt Thessaloniki.

Athos ist die einzige Mönchsrepublik Europas, Agios Oros, Heiliger Berg, genannt. Die ersten Mönche auf dem Athos waren Vertreter der frühesten mönchischen Lebensform, des Anachoretentums. Mitte des 9. Jhd. wurden die frommen Männer dieses Berges erstmals schriftlich erwähnt. Hierbei handelte es sich hauptsächlich um Erimiten, die vor allem im Norden des Athos lebten. Ihre wachsende Zahl verlangte Ende dieses Jahrhunderts eine erste organisatorische Regelung. Ein Rat von Ältesten erledigte die Alltagsfragen. Mit Anfang des 10. Jhd. wurde der heutige Hauptort Karyés Sitz des Rates. Auch heute tagt dort noch deren oberstes Organ, die Iera Kinotis, die heilige Gemeinschaft.

Heute gibt es 20 Athos-Klöster, deren Zahl seit 1924 gesetzlich festgeschrieben ist. Doch sind diese nicht die einzigen Wohnstätten der Mönche. Ihnen unterstehen noch mehrere (12) Skiten (Mönchssiedlungen ) und eine Reihe von Kellien (eine Art Einzelgehöfte), in denen jeweils bis zu sechs Mönche und Novizen in einer eigenen Gemeinschaft zusammenleben.

963 n. Chr. gründete Athanássios aus Trapezunt die Megistis Lavras als erstes Kloster. Im 11. Jhd. wurden zehn weitere Klöster gegründet. Viele Mönche aus wohlhabenden Familien brachten viel Reichtum in die Gemeinschaft mit ein. Schlechte Zeiten setzten erst 1430 mit der Einnahme Makedoniens durch das osmanische Reich ein, was mit einer harten Besteuerung der Klöster verbunden war. Nach der Erhebung Griechenlands 1821 gegen die Türken und deren schnelle Niederlage auf der Chalkidiki lebten 1826 nur noch 600 Mönche auf Athos. 1830 setzte eine Wiederbelebung ein, die vor allem von der russischen Orthodoxie ausging. 1903 lebten auf Athos etwa 3300 griechisch-orthodoxe und fast 3500 russisch-orthodoxe Mönche. Heute leben etwa 1700 Mönche auf Athos mit steigender Tendenz.

Der Alltag der Mönche ist von Gebet, Arbeit und Gottesdiensten geprägt. Anders als in katholischen Klöstern sind hier jedoch alle Sinne nach Innen gerichtet; soziale Aufgaben spielen keine Rolle. Im Mittelpunkt stehen dabei die beiden gemeinschaftlichen Gottesdienste am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Auch ihre Fastenregeln, vor allem für die Zeit vor Ostern, werden streng eingehalten. Die Mönche besitzen ein breitgefächertes Arbeitsspektrum. Einige widmen sich der Landwirtschaft, andere sind als Handwerker tätig. Man zieht Kerzen, webt Stoffe für liturgische Gewänder, stellt fromme Holzschnitzereien her, malt lkonen und geht Fischen.

Wie überall auf Erden kann es auch unter den Mönchen dieses Heiligen Berges "Frauenfeinde" geben, doch ist dies sicherlich nicht der Grund, weshalb keine Frauen und kein weibliches Haustier die Mönchsrepublik betreten dürfen. Dieses Gesetz wurde schon zur Zeit des Kaisers Justian I. (reg. 527-565) in seiner Gesetzessammlung, dem codex Justianius verwurzelt, das die Würde der hochheiligen Kirche und der andächtigen Klöster schützen soll. Die einzige Ausnahme gibt es bei Mönchen, die lkonen malen. Sie dürfen sich nämlich Hühner halten, da sie für ihre Arbeit frischen Eidotter benötigen. Auch ist der Athos schon deswegen nicht ganz von der weiblichen Präsenz befreit, da in einigen Klöstern Gebeine weiblicher Märtyrerinnen als Reliquien aufbewahrt werden. Dennoch wird nach Aussage der Mönche, weil die heilige Jungfrau Maria keine Konkurrenz auf diesem "Heiligen Berg" neben sich dulde, auch noch heute auf strengste Einhaltung dieses Gesetzes geachtet. Jedoch dürfte den meisten wohl die Begründung - die Mönche sollen nicht in Versuchung geführt werden - plausibler für die strenge Einhaltung erscheinen.

Götter im antiken Griechenland

Im Vergleich zu dem christlichen Glauben gab es im alten Griechenland die Vorstellung, dass man an viele Götter, die untereinander familiär verbunden sind, glaubt, und jedem seine Ehrerbietung erweist. Diese Art der Vielgötterei nennt man "Polytheismus". Auch das Götterbild der Römer war in dieser Form aufgebaut.

Dadurch, dass jedem Gott eine bestimmte Aufgabe oder ein eigenes Wirkungsfeld zugeteilt war, konnten sich die Menschen, um z. B. eine gute Ernte zu erhalten, an die dafür zuständige Gottheit wenden und ihr (in diesem Fall Demeter) ein Opfer darbringen. Ganz besonders wichtigen Göttern zu Ehren wie, z. B. Athena, wurden auch große Feste veranstaltet.

Die Gläubigen stellten sich ihre Götter in Menschengestalt und mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet vor. Sie lebten auf dem Olymp und ernährten sich von Nektar und Ambrosia, einem Getränk, dass nur ihnen vorbehalten war.

Götter des Olymp

Die zwölf Götter des Olymp sind: Zeus, Hera, Athena, Poseidon, Demeter, Apollo, Artemis, Hermes, Aphrodite, Ares, Hephaistos und Hestia.

  • Zeus: Herrscher über Himmel und Erde, Vater der Götter und Menschen.
    Zeus ist der mächtigste der unsterblichen Götter und Sohn der Rhea. Nachdem er sich gegenüber seinen Geschwistern und den anderen Göttem duchgesetzt hatte, begegneten ihm alle mit Achtung. Seine Waffe war der Blitz. Die rechtmäßige und ewige Gemahlin des Zeus war Hera, mit der er Ares, Hebe, Eileithya und Hephaistos zeugte. Jedoch hatte Zeus unzählige Affären mit Göttinnen und Sterblichen, wie z. B. mit Europa.
  • Hera: Schützerin der Familie und der verheirateten Frauen.
    Hera zog neben ihren eigenen Kindern noch zahlreiche andere auf. Sie bestrafte die Untreue und rächte sich grausam an den Geliebten ihres Gatten Zeus, so verwandelte sie z. B. Leto, die mit Apollo und Artemis von Zeus schwanger war, in eine Kuh. Im trojanischen Krieg stand Hera auf Seiten der Griechen und war an vielen Entscheidungen über den Verlauf des Kriegs beteiligt.
  • Athena: Göttin der Weisheit.
    Athena ist die Tochter des Zeus und der Matis. Sie war zwar eine kriegerische Göttin, jedoch nicht kriegslüstern. Athena half zahlreichen Helden, darunter Perseus, Achill und Odysseus. Athena wollte niernals heiraten oder ihre Jungfräulichkeit verlieren. Sie stand den Menschen nah und stand ihnen im Frieden bei der Arbeit bei. Die wird auch als "Pallas Athena" bezeichnet, was soviel wie "junges Mädchen" bedeutet. Ihr war der Parthenon geweiht, und in Athen wurde sie durch große Feste besonders geehrt.
  • Poseidon: Gott des Meeres.
    Poseidon gilt als einer der ehrwürdigsten olympischen Götter, weil er mit Zeus und Hera zu den ältesten gehört. Sein Reich durchquert er auf einem goldenen Wagen, wobei ihn die Wogen nicht benetzen und er von Delphinen begleitet wird. Poseidon liebte viele Frauen, die ihm eine große Nachkommenschaft gebaren, wie z. B. Atlas und Orion.
  • Demeter: Göttin des Ackerbaus.
    Demeter war die Göttin der Fruchtbarkeit und die mütterliche Gottheit der Erde, die den Ackerbau und vor allem das Getreide beschützte. Demeter hatte eine enge Beziehung zu ihrer Tochter Persephone, die sie dem Zeus gebar. Meist werden Mutter und Tohter gemeinsam genannt.
  • Apollo: Gott des Lichtes, der Musik und der Wahrsagekunst.
    Apollo gehörte zur zweiten Generation der olympischen Götter, da er wie seine Schwester Artemis ein Kind von Zeus und Leto ist. Apollo vollbrachte viele Heldentaten. Er befreite z. B. Delphi von dem Drachen Python, den er mit Pfeilen tötete.
  • Artemis: Göttin des Mondes und der Jagd.
    Artemis ist die Zwillingsschwester von Apollo und Tochter des Zeus. Bewaffnet war sie mit Pfeil und Bogen. Artemis war auch Göttin der Rache. Sie bestrafte, die ihr keine Achtung erwiesen. Ihr Wohlwollen galt vor allem Jägern und Unschuldigen.
  • Hermes: Götterbote, Gott des Handels und des Diebstahls.
    Hermes ist der Sohn von Zeus und Maia. Schon als Kind war er sehr listig. An seinem Helin und seinen Sandalen hatte er Flügel und trug einen Stab. Er überbrachte nicht nur alle Botschaften des Zeus, sondern führte auch die Seelen in den Hades. Hermes half den großen Helden Herakles, Odysseus und Perseus und befreite Io, die von Hera in eine Kuh verwandelt worden war, aus der Gefangenschaft des Argos.
  • Aphrodite: Göttin der Schönheit und der Liebe.
    Die Entstehung der Aphrodite ist umstritten. Die erste Version erzählt, sie sei die Tochter von Zeus und lone, die zweite, dass Aphrodite aus dem Meer emporstieg, nachdem Kronos seinem Vater Uranus das Geschlechtsteil abgeschnitten hatte und dieses ins Meer warf. Aphrodite schützte die Liebe und die Liebenden. Sie war mit dem alten hässlichen Hephaistos verheiratet, hatte allerdings eine Affäre mit Ares. Alle anderen Götter waren in stiller Bewunderung für sie.
  • Ares: Gott des Krieges.
    Der kriegsliebende Gott Ares wurde immer kampfbereit mit Helm und Rüstung dargestellt. Bei jedem Kampf oder Blutvergießen ist Ares anwesend. Daher wurde Ares auch nur selten kultisch verehrt, es gab auch keine Stadt, deren Schutzgott er war. Ares lag oft mit den anderen Göttern im Streit, auch mit seinem Vater Zeus. Dieser grausame Gott zeugte zusammen mit der liebevollen Aphrodite Eros, Phobos und Deimos.
  • Hephaistos: Gott des Feuers und des Handwerks.
    Hephaistos, der Sohn von Zeus und Hera war der Gott des Feuers, des Handwerks und der Kunst. Er fertigte nicht nur Zepter, Throne und Schmuck, sondern auch kleine goldene Roboter und die Rüstung des Achill. Wie jeder Schmied hatte Hephaistos starke Arme, seine Beine jedoch waren schwach und er hinkte von Geburt an. Daher verheimlichte seine Mutter Hera zuerst die Geburt und warf ihn vom Olym. Als er erwachsen war, baten ihn die anderen Götter zurück auf den Olymp, und Zeus gab ihm zur Entschädigung Aphrodite zur Frau.
  • Hestia: Göttin des häuslichen Friedens.
    Die Göttin Hestia ist die Personifizierung des häuslichen Herdes. Als erstgeborene Tochter von Rhea und Kronos bat sie ihren Bruder Zeus, ihre Reinheit zu schützen, obwohl Poseidon und Apollo sie zur Frau nehmen wollten. Ihr stilles Leben und ihr fester Platz auf dem Olymp sind der Grund, warum Hestia nicht in Abenteuer verwickelt wurde

Kleinere Götter

Neben den Göttern des Olymps gab es weitere Götter, die ebenso häufig verehrt wurden wie jene, nur ihren Wohnsitz nicht auf dem Olymp hatten. Manchmal waren sie auch Kinder eines Gottes und einer Sterblichen, wie Asklepios. Diese kleineren Götter waren:

  • Dionysos - Gott des Weines und des Rausches
  • Asklepios - Gott der Heilkunst
  • Helios - Gott des Lichtes
  • Hades/Pluto - Gott der Unterwelt
  • Pan - Gott der Wälder und des Hirtenlebens
  • Priapos - Gott der Fruchtbarkeit
  • Eros - Sohn der Aphrodite
  • Themis - Göttin der Gerechtigkeit

Der Weg soll nun auf die Aktopolis zu jenen Prunkbauten führen, die den Ruhm des Perikles durch die Jahrtausende tragen. Ihr kostbarer pentelischer Marmor leuchtet über dem Häusermeer der Stadt. Den gewaltigen Götterthron trägt ein 156 m hoher, 80 m über der Stadt steil aufragender kahler Kalkfelsen, die Akropolis, die "hohe Stadt". Ursprünglich war es der Festungsberg, noch lassen Reste von Mauern, den sogenannten Pelasgermauern, aus schweren Blöcken getürmt, diese Zeit erkennen. Aber nach Peisistartos gehörte der Berg nur noch dem Dienst der Götter, und er trug prächtige Kultbauten, darunter das heute noch in seinen Grundmauern feststellbare Hekatómpedon, das der Athene Pollias geweiht war. Die Schrecken zweier Perserstürme legten die stolze Herrlichkeit in Schutt und Asche. Bei Wiederaufbau unter Perikles ebnete man mit dem Bruchmaterial die Fläche der Akropolis ein und vergrößerte sie, indem man auch den Zwischenraum zwischen dem Berghang und den von Kimon errichteten Schutzmauem mit dem Schutt ausfüllte.

Auf diesen ovalen, in seiner größten Ausdehnung 270 m langen Plateau, erheben sich die Reste der alten Stadttempel. Steil fällt ringsum der Abhang zur Talsohle, nur im Westen brückt die Akropolis zu den benachbarten Hügeln und ermöglicht auf breiter Serpentinenstraße die Auffahrt durch das sogenannte Beulé-Tor. Es wurde unter den römischen Kaisern aus griechischen Baustücken errichtet und im Jahre 1852 von dem französischen Archäologen Ernest Beulé unter den ehemals türkischen Bastionen entdeckt. Von hier führte an Stelle der alten gewundenen und langsam ansteigenden, auf beiden Seiten von Statuen und Weihgeschenken gesäumte Feststraße eine um die Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr. angelegte, jetzt größtenteils zerstörte Marmortreppe zu den Propyläen empor.

Die Akropolis

Die Akropolis

Der Blick des heutigen Besuchers aber zieht der am Südrand liegende, im hellgelben Marmorschimmer leuchtende Parthenon an. An seiner Nordwand vorbei führt der Weg in feierlichem Schwung zur Ost- oder Hauptfront des Tempels.

Er ist als Stadtheiligtum wie üblich in dorischem Stil erbaut. 447 v. Chr. erhielten auf Veranlassung des Perikles der bedeutendste Architekt seiner Zeit, Iktinos, und der Baumeister Kallikrates den Bauauftrag. Das Gold-Elfenbein-Standbild der Göttin Athene schuf Pheidias, der sich bereits als Schöpfer der Zeusstatue zu Olympla Ruhm geholt hatte. In seinen Händen lag nach dem Zeugnis Plutarchs auch die oberste Leitung der gesamten Bauführung. Der Bau wurde durch reiche Geldmittel gefördert.

Der Tempel ist ganz aus hellem, eisengeäderten Marmor des Pentemon errichtet, der eine prachtvolle Ausführung von höchster Präzision ermöglichte. Er ruht auf einem mächtigen, dreistufigen Unterbau, der an der ersten Stufe 72m x 33m misst, und verrät damit einen harmonischen Ausgleich von Länge und Breite. Je 8 Säulen an den Fronten und je 17 an den Längsseiten verbinden sich zu jenem klassischen Verhältnis, bei dem die Langseite die um eine Säule vermehrte doppelte Säulenanzahl der Schmalseie aufweist. Die Säulen türmen sich mit 10 - 11 Trommeln zu einer Höhe von 10,4m und schließen eine Ringhalle um die Zella, die sich nach jonischer Weise an den Schmalseiten in Vorhallen zu je 6 Säulen öffnet. Somit ist der Tempel ein amphiprostyler Peripteros, mit insgesamt 58 Säulen, die sich um das Heiligtum reihen.

Auf den wuchtigen Kaptillen ruht der Architrav. Darüber zieht der 160m lange und 1m hohe Friesring um den Parthenon mit 92 Metopen auf einst rotem Grund, wechselnd mit den ehemals blau bemalten Dreischlitzen (Triglyphen) über jeder Säule und über dem Säulenzwischenraum. Die Figuren der Metopen atmen die Luft längst vergangener Kämpfe gegen die dunklen Gewalten der Natur und der Abwehrkriege gegen die Perser in den Themen der Lapithen-, Zentauren- und der Amazonenkämpfe, und der Zerstörung Trojas.

Das Heroenmotiv der Metopen, noch mit drastisch-naturalistischen Zügen gestaltet, ste' rt sich in den beiden Giebelfeldern zum Götterthema, und das Relief der Metopen wandelt sich zur stark idealistischen Vollplastik. Der Ostgiebel, heute fast ganz zerstört, stellte den Augenblick dar, wo Athene, dem Haupt des Zeus entsprungen, im Waffenschmuck unter die verwundenen Götter trat. In der linken Giebelecke kündeten vier Pferdeköpfe mit spähenden Augen und geblähten Nüstern den Sonnenaufgang an, ein Kopf ziert heute noch das letzte Giebelstück, während in der rechten Ecke die Mondgöttin ihr Gespann zum Untergang lenkte. Mit Athenes Geburt hatte ein neuer Welttag begonnen. Der Westgiebel brachte Athene im Wettstreit mit Poseidon die Hoheitsrechte über die Stadt Athen. Beide waren auf ihren Rossegespannen herbeigeeilt. Athene hatte den Ölbaum gepflanzt, Poseidon mit dem Dreizack den Salzquell auf der Akropolls erschlossen. Nährendes Land streitet mit dem Segen weltweiter Seefahrt. Aber die anwesenden Heroen vermitteln und geloben, beide Gottheiten einträchtig auf ihrer Burg zu verehren, den Segen des Bodens mit dem Gewinn des Meeres zum Wohl der Heimat zu verbinden. Ruhende Gestalten in den verengenden Räumen der Giebelecken stellten die Flüsse Attikas dar. Das Dach war mit Marmorziegeln gedeckt und hatte Sattelform. Vom Gesims leiteten Löwenköpfe als Wasserspeier das Regenwasser ab. Der Parthenon ist der erste dorische Tempel, bei dem uns, nach jonischen Säulenprinzip, ein Fries auf der Zellaaußenwand begegnet. Die Baumeister haben also dem Parthenon seine besondere harmonische Wirkung durch die Mischung der dorischen Ordnung mit jonischen Stilementen gegeben. Auf dem Zellafries zog in bescheidenem Flachrelief das attische Volk in der riesigen Panathenäenprozession - mehrere hunderte Figuren, davon allein 215 Pferde auf beiden Langseiten - zum Osteingang des Tempels. Auf der Westfront vollziehen sich die Vorbereitungen zum Aufbruch der Reiterschar, die ersten Reiter sprengen los. Dann strebt der Zug rechts und links in ähnlicher Ordnung zum Haupttor vor. An der Ostfront leiten würdige Männer von den Prozessionsteilnehmem zu den Göttern über. Zwölf Gottheiten, in ihrer Mitte Athene und Zeus, erwarten den Zug und sind Zeugen der feierlichen Handlung, als die voranschreitenden Mädchen den von attischen Bürgersfrauen gewebten Peplos der Priesterin der Athene überreichen. An dieser Fülle skulpturenen Schmucks von bisher nie erreichter Naturnähe und meisterhafter Zwanglosigkeit in der Raumfüllung müssen viele Künstler gearbeitet haben, aber über allen diesen von unbekannter Hand geschaffenen Herrlichkeit wartete Pheidias, der die Oberaufsicht über die Künstler führte und alle Arbeiten in ihrer endgültigen Form bestimmte und überwachte. Sein Verdienst war es, dass die einzelnen Schöpfungen zusammenflossen in einheitliche, auf höchster Stufe stehende Gesamtleistung. Die große Idee, die der Künstler verewigen wollte, ist eine ehrfurchtsvofie Huldigung für Athene; sie ist der Mittelpunkt aller menschlichen Kultur, Hort der Weisheit und des Schönen, Schirmerin gegen alle Gewalten des Dunklen und der Zerstörung.

Der eigentliche Tempelbau, um zwei Stufen höher gelegen als der Umgang, war zweckmäßig in zwei Teile getrennt, wodurch sich die Doppelfront der Vorhallen über eine bloße ästhetische Zier zur sinnvollen Bedeutung vertiefte. Der nach Osten gerichtete, hinter dem Pronaos gelegene Raum war die eigentliche Zella (Naos) in der Länge von 100 attischen Fuß (von ungefähr 30 Metern), daher Hektatompedon genannt. Sie war durch zwei übereinandergestellte dorische Säulenreihen zu je neun Säulen in einen das Götterbild hütenden Mitteltaum und einen ihn auf drei Seiten umgebenden Umhang geteilt. Der an der Hinterwand der Zella anschließende kleinere Raum, Parthenon im engeren Sinn genannt, diente Aufbewahrung des Bundesschatzes und der kostbaren Weihgeschenke und hatte seinen Zutritt vom Westen her durch den Opisthodom. Als 438 v. Chr. der Tempel im Rohbau beendet war, zog in die Zella die Athene Parthenos von Pheidias ein. Sie war eine ungefähr 12m hohe Holzstatue, die, in einzelnen Teilen, Poseidons Dreizack im Wettstreit mit Athene in die Erde stieß und den Salzquell erschloss, nach religiösem Brauch stets freien Himmel ließ. An der Westfront des Tempels offene eingefriedeten heiligen Bezirk, stand der sagenhafte, von Athene gepflanzte Ölbaum, von dem alle Olivenpflanzungen Attikas ihren Ausgang genommen haben sollen. Auch heute noch steht zur Erinnerung daran ein Bäumchen an der selben Stelle. Die kleine Vorhalle im Süden hebt sich dadurch besonders hervor, weil ihr Gebälk nicht von Säulen, sondern von Frauengestalten in langen Gewändern, sogenannten Karyatiden, getragen wird. Der Name wird nach dem römischen Baumeister Vitrav von dem lakonischen Dorf Karayai abgeleitet, dessen Mädchen angeblich wegen Verrats an die Perser in die Sklaverei geführt und zum Lastentragen verurteilt waren. Wahrscheinlicher ist es, dass den Schöpfern der Figuren die Mädchengestalten Vorbild gewesen sind, die im Zuge der Panathenäischen Prozession schritten. Im Südwesten des Burghügels auf vorgeschobener Bastion, auf der von Kimpon errichteten Befestigung, erbaute Kaläkrates einen zierlichen Tempel jonischen Stils, für die Athene Nike, die Göttin des Sieges. Der Tempel ist ein Amphiprostylos, das heißt, ihm sind auf der vorderen und hinteren Schmalseite von 4m hohen Säulen getragene Vorhallen vorgelegt. Zwei Pfeiler gliedern die Öffnungen, deren mittlere als Eingangstor diente, und die anderen durch Gitter verschlossen waren. In der unge" ü "'seitlichen Zella stand das hölzerne Kultbild der Göttin mit dem Granatapfel in der Rechten und dem Helm in der Linken. Die Nikefiguren wurden nach einem Brauch mit Flügeln gebildet. Die von der Sitte abweichende Darstellung dieses Holzbildes ohne Flügel gab Anlass zu der Erklärung, die Göttin sei hier flügellos, um die Stätte ihres Sieges nicht verlassen zu können. Über den Säulen liegt der dreibänderige Architrav und darüber ein ringsum laufender, 26m langer Fries. Die von Lord Elgin nach London gebrachten Friesplatten wurden durch gute Kopien aus Zement ersetzt. Rings um den Steilabhang lief als Abschluss und Schutz eine 35m lange Balustrade.

Erechtheion

Am Nordrand des Burgberges steht der zweitgrößte Tempel der Akropolis, dessen seltsam aufgelockerte Anlage durch die Einbeziehung der dort vorhandenen Kultstätten und der Terrainverschiedenheit bedingt war, das Erechtheion.

Es wurde im Jahre 421 v. Chr. von Philokles begonnen und im schönsten jonischen Stil ausgeführt. Aber bald nach dem Baubeginn brach der dreißigjährige Peleponnesische Krieg aus und verhinderte die Fertigstellung. Doch trotz der Not und der Verarmung wurde der Bau in seiner heiter ausgeglichenen Form nach einer längeren Pause 407 v. Chr. beendet. Er sollte dem von den Athenern auf ihren Schiffen vor der Persernot geretteten Holzbild der Stadtgöttin ein neues Heim bieten, das vorläufig nur in der alten Tempelruine untergebracht war. Zur Zella führte vom Osten her eine von sechs 6,5m hohen jonischen Säulen begrenzte Vorhalle. Die nördliche Ecksäule fehlt heute, da sie mit den Parthenon-Bildhauerarbeiten von Lord Elgin (1800) nach London geschafft worden ist. Die Zella enthielt das alte, der Sage nach vom Himmel gefallene Götterbild der Athene Pollis.

Die beiden, um 3 in tiefer gelegenen, westlichen Kulträume enthielten das Heiligtum des Poseidon - Erechtheus, den heiligen Salzquell Poseidons und das Grab des sagenhaften Königs Kekrops. Nach Westen schloss ein Mauersockel die Räume ab, auf dem vier Halbsäulen mit Fenstern in den Zwischenräumen ein Obergeschoss andeuten. In die letztgenannten Gemächer führte von Norden her der Weg durch eine stattliche Vorhalle, deren herrliche Kassettendecke auf sechs weitgestellten, schlanken jonischen Säulen ruht. Alle Säulen weisen unter dem federnden Volutenkapitell breite ornamentierte Halsbänder und die sogenannte attische Basis mit einem Wulst (Torus), einer Kehle (Trochilus) und einem zweiten, darüberliegenden Wulst auf. Von der Vorhalle führt eine Prachttür in das Innere. Die Kassettendecke zeigt eine Öffnung, die über den Spuren, wo...

Hinweis

Leider habe ich damals nicht den ganzen Text eingescannt und finde das Original nicht mehr. Sollte es wider Erwarten noch einmal irgendwo zu finden sein, dann wird dieser Text hier vervollständigt.

 
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