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Linux
An dieser Stelle will ich - wahrscheinlich entgegen deiner Vermutung - nicht zum
hunderttausendsten Male erklären, was Linux ist, woher es kommt, was man damit
machen kann und warum es ca. eine Million mal besser ist als M$ Wind0z3. Die Antworten
auf alle diese Fragen werden an
anderen
Stellen
im
Internet
zur Genüge beantwortet.
Was ist Linux?
Wer sich damit nicht zufrieden geben will, der kann sich den kompletten Artikel auf ihrer Homepage ansehen oder auch einmal hier vorbeisurfen. Wie bin ich zu Linux gekommen?Data Becker, die Geißel aller Windows-UserMeinen ersten "spürbaren" Kontakt zu Linux hatte ich im Frühjahr 2001. Schon vorher hatte ich von Dominik von diesem neuen (obwohl es damals bereits zehn Jahre alt war!) und ach-so-tollen Betriebssystem gehört, das einen durch bloße Installation und Benutzung des selben in den Olymp der Hacker erhob. Allerdings habe ich niemals das Bedürfnis verspürt, mich damit zu beschäftigen. Wieso auch? Ich gehörte zu der verschwinden geringen Minderheit der damaligen Windows-Benutzer, die wohl nie Probleme mit ihrer Kiste hatten. Keine Bluescreens, keine Viren, kein gar nichts.
Daheim angekommen, öffne ich den Karton und ein Strahl des Lichts breitet sich in konzentrischen Kreisen von ihm ausgehend im ganzen Zimmer aus. Leider musste ich erneut feststellen, daß es sich nicht um die Offenbarung handelte, sondern lediglich um Reflexionen dreier CDs mit den Labels "Red Hat 6.0", "zusätzliche Anwendungen" und "Sourcen". Ich schnappte mir die Bibel... ähh, das Handbuch und begann darin zu lesen. Die Installationsanweisungen bereiteten mir ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Es waren mehrere Dinge, die mir nicht auf Anhieb gefielen:
Das erste MalDas war dann doch zuviel des Guten. Ich habe mich dazu entschieden, Linux doch nicht auf meinem Rechner zu installieren. Wozu hat man den Rechner seinen kleinen Bruders? Da dieser zur damaligen Zeit noch sehr leicht zu beeinflussen war, hatte ich alsbald einen Pentium 90 als Testobjekt zur Verfügung. Das änderte natürlich nichts an der Tatsache, daß ich immer noch keine Ahnung von Partitionen & Co. hatte - aber wenn nun etwas schiefgehen sollte, dann wenigstens nicht mit meinem PC ;o) Ungehemmt erstelle ich eine Bootdiskette und starte das Installationsprogramm. Mit einem Auge auf dem Monitor, dem anderen im Handbuch, werkelte ich mich durch die Installationsroutine. Die erste Herausforderung war das Partitionieren. Das Installationsprogramm bietet mir "fdisk" und "DiskDruid" an. Da ich aber weder das eine noch das andere kenne, partitioniere ich wie wild drauf los. Nun soll ich "Mountpoints" definieren. Das würde ich auch liebend gerne tun, wenn ich denn nur wüsste, was das ist. Mein Versuch, diesen Schritt zu überspringen, quittiert das Installationsprogramm mit einer Fehlermeldung. Nach ein wenig Herumlesen und Ausprobieren, lege ich "/" als Mountpunkt fest. Für die anderen Partitionen fällt mir dagegen nichts Passendes ein. Jetzt darf ich mir Software aussuchen, die auf meinem Rechner installiert wird. Ich habe keine Ahnung, was ich brauche, und so klicke ich von jedem ein bisschen an. Anschließend soll ich mir noch "Serverdienste" heraussuchen, die beim Start automatisch geladen werden. Wow! Ich habe einen richtigen "Server"! Genial. Und da sich auch nichts davon wirklich schlecht angehört hat, starte ich eben einfach mal alles. Nun beginnt eine elend lange Formatierungs- und Installationsphase. Die Konfiguration des "X-Servers" bereitet mir Sorgen: Man kann damit seinem Monitor ernsthaften Schaden zufügen. Irreparabel. Aber es ist ja nicht mein Monitor. Danach darf ich Benutzer anlegen und neu starten. Ich war ziemlich beeindruckt von der Startprozedur. Die Namen hörten sich durch die Bank alle kryptisch (sprich: cool) an und ein "done" in grünen Lettern quittierte das erfolgreiche Abschließen eines jeden Befehls. Windows bot mir nur einen langweiligen Startbildschirm - die vorbeihuschenden Zeilen auf dem Monitor bei Linux dagegen waren viel interessanter. Ich probierte Dinge aus. Ich weiß nicht mehr, was das für Dinge waren. Auf jeden Fall führte das Ausprobieren dieser Dinge dazu, daß das System nicht mehr so funktionierte, wie es sollte. Unzählige Neuinstallationen folgten. Anstatt ein deplatziertes Kommentarzeichen in einer Konfigurationsdatei zu entfernen, wird eben neuinstalliert. Ich bin der Experte der Neuinstallationen! Irgendwann klappt dann doch alles so, wie ich es will (ich habe gelernt, zunächst einmal die Finger von allem zu lassen). Der erste Login; richtig mit Passwort und so! Ich komme mir wichtig vor. Dieses Gefühl hatte ich bei Windows nie. Da braucht man nur zweimal auf "Ok" zu klicken und man ist drin. Nach erfolgreicher Anmeldung entzückt ein GNOME-Desktop meine Augen. Ich bin begeistert. Die Icons und Fensterdekorationen sind (natürlich) viel schöner als unter Windows (oder vielleicht nur "anders"?). Immerhin ist das Aussehen eines Desktops der beste Maßstab für die Leistungsfähigkeit eines Betriebssystems. Ich klicke ein paar Programme an und probiere sie aus. Der kleine GNOME-Fuß in der Startleiste hat es mir angetan. Und natürlich ist es absolut genial, seinen Brief nicht mehr mit Word zu schreiben, sondern mit gEdit. Das macht man eben so unter Linux. Doch wie bekam ich jetzt meine Dateien von einem Rechner auf den anderen? Auch wenn ich seit geraumer Zeit im Internet herumsurfte: Netzwerke waren für mich ein schwarzes Loch. "Multiplayer"-Spiele ("Multi" = 2) fanden bis jetzt immer nur per Null-Modem-Kabel statt. Es lag nahe, dieses auch zum Dateitransfer zwischen Windows und Linux zu verwenden. Ich weiß bis heute nicht, wie ich es geschafft habe, aber mit "Hyperterm" unter Windows und "Minicom" unter Linux war ich in kürzester Zeit bestens vertraut. Und so schob ich zig Megabytes stundenlang mit 54 KB/s durch das Nullmodemkabel. Ich öffne den Dateimanager und klicke auf eine MP3-Datei. Sofort beginnt das Lied aus den Boxen zu jodeln (ohne daß ich jemals meine Soundkarte eingerichtet habe). Exorbitant laut, aber schön. Ich kann das Lied allerdings nirgendswo stoppen (heute weiß ich, daß der Dateimanager mp123 - ein Konsolenprogramm - zum Öffnen der Dateien verwendet hat). Also höre ich jedes Lied brav zu Ende. Was mich an "Linux" jedoch störte, waren nicht die unzähligen Neuinstallationen, die lange Startzeit, die niedrige Auflösung der grafischen Oberfläche oder die fehlenden Laufwerke. Wirklich störend empfand ich, überall mit denglisch konfroniert zu sein. Heute weiß ich, daß Neuinstallationen und Reboots überflüssig sind, der Bootvorgang durch deaktivieren einiger Serverdienste um Welten schneller vonstatten geht, die Auflösung geändert werden kann, ohne daß gleich der Monitor explodiert, das Einbinden von Laufwerken in das Dateisystem sehr viel bequemer ist und "Linux" für die mangelnde Sprachunterstützung nichts kann und stattdessen die RedHat-Entwickler die Verantwortlichen sind. SuSE, liebe SuSE...Um das Problem der Sprachbarrieren zu überwinden, bestellte ich mir einige Wochen später bei E-Bay eine gebrauchte SuSE 7.1 Professional, da ich dachte, mit einer urdeutsche Distribution bessere Karten zu haben. Die Schachtel war noch größer, die Handbücher noch dicker und die CD-Sammlung noch umfangreicher. Damit konnte ich mich endlich einmal richtig austoben. Die Handbücher waren schnell verschlungen und meine Lieblingsbeschäftigung bestand darin, mir aus tausenden Programmen mein Lieblingssystem zusammenzubasteln. Nachdem ich mich nach einigen Neuinstallationen endlich für die richtige Partitionierung, die passenden Dateisysteme und die richtige Auswahl an Programmen (nämlich alle) entschieden hatte, konnte dem ungetrübten Linux-Vergnügen nichts mehr im Wege stehen. Weil YaST außerdem komfortabler zu bedienen war und vertrauenserweckender aussah, habe ich mich sogar getraut (nach ein paar Testversuchen auf meinem Zweitrechner) Linux auf meinem eigenen Computer zu installieren. Denn als bereits "infizierter" Linux-Anhänger hätte ich den im schlimmsten Falle eintretenden Totalverlust von Windows locker verkraften können. Für einige Zeit führten Linux und Windows eine glückliche Koexistenz auf meinem System. Mit Windows machte ich das, was ich sonst auch immer machte (nämlich alles) und mit Linux versuchte ich, alles das zu machen, was ich mit Windows machte. Es gibt nichts schöneres und aufregenderes als ein komplett neues System zu entdecken, und sei es nur, daß man dabei auf den hundertsten Clone von Tetris stößt... Als dann SuSE 7.3 auf den Markt kam, habe ich mir diese wieder in der Version "Professional" zugelegt und installiert. Da ich inzwischen schon einiges mit der alten 7.1er erlebt habe und nun mit der neuesten Software ausgestattet war, konnte endlich die Revolution beginnen: Der Übergang von Windows zu Linux. Naja, zumindest, was die alltäglichen Desktop-Aufgaben wie E-Mails schreiben oder Briefe verfassen anbelangt. Auf einmal war Star Office gar nicht mal mehr sooo schlecht, obwohl ich unter Windows natürlich nie auf die Idee gekommen wäre, mein Word gegen StarWriter auszutauschen ;o) Schon nach kurzer Zeit diente Windows nur noch einem Zweck: Spielen. Für alles andere war binnen kürzester Zeit Linux zuständig, egal ob E-Mails oder Briefe schreiben, Musik hören, im Internet surfen oder - nachdem die Suche nach einem geeigneten Client abgeschlossen war - das Chatten über ICQ. Ich habe wirklich nichts vermisst. Es war so, als könne man mit Linux alles machen, was man mit Windows auch machen kann. Ich bemerkte aber, dass dies umgekehrt nicht der Fall war und so ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich in der Windows-Task-Leiste den Umschalter für virtuelle Arbeitsflächen suchte oder mit einem Doppelklick auf die Titelleiste eines Fensters versuchte, dieses "einzurollen". Es war soweit. Ich war Linux-Anhänger und Windows-Hasser. Ich predigte jedem der es hören wollte (und jedem, der es nicht hören wollte) die Offenbarung in Sachen Betriebssysteme und versuchte, Linux auf jedem Rechner zu installieren, den ich in die Finger kriegen konnte. An dieser Stelle sollte ich mich mal bei den gestressten Leuten entschuldigen, die darunter zu leiden hatte (Steffi? Stefan? Benjamin?). Funktionierende Systeme sind langweilig!SuSE 7.3 und Windows liefen bis Ende 2002 seelenruhig nebeneinander. Dann fasste ich absolut unnötiger Weise den Entschluss, einen neuen PC haben zu müssen. Irgendwie hatte ich noch nicht verstanden, daß Linux niemanden zwingt, sich alle zwei Jahre den neuesten Schrei der Technik anzuschaffen. Auf jeden Fall habe ich mir in den Kopf gesetzt, zur Abwechslung mal einen PC "from Scratch", d. h. aus leider Einzelteilen zusammenzubauen. Ich kann das wirklich niemandem empfehlen. Es gibt nichts unnötigeres und teureres. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände bastelte ich fast ein halbes Jahr lang, bis der angehäufte Elektronikschrott endlich funktionierte. Da Linux ja bekanntlich überall läuft, wieso dann nicht auf auf Elektronikschrott? Mein erster PC mit Linux als primäres Betriebssystem! Das hatte etwas heiliges. Windows wollte ich auch noch behalten, irgendwo auf einer Minipartition in einer abgelegenen Ecke der Festplatte (da ich es für genau ein einziges Spiel benötigte). Auf dem PC sollte aber kein SuSE mehr laufen. Die Version 7.3 war inzwischen schon leicht angestaubt und von den neueren Versionen hörte man auf den Mailing-Listen wenig gutes. SuSE ist wirklich eine gute Distribution und vor allem sehr einsteigerfreundlich; sie hat mir einiges an Arbeit erspart. Sobald man aber selbst ein wenig Hand and das System anlegen will, machen Tools wie YaST & Co. die Sache nicht mehr leichter, sondern schwerer. Da ich außerdem durch den neuen PC (a.k.a. "Haufen Elektroschrott") genügend Rechenpower übrig hatte, wollte ich mein Glück mit einer kleinen Distribution namens "IcePack" versuchen und mir mein System dann mit selbst installierter und kompilierter Software zurechtschneiden. IcePack war wirklich schnuckelig. Ich dagegen war aber leider hoffnungslos damit überfordert, mir ein komplettes KDE selbst zu backen. Das war Mitte 2003 Zu dieser Zeit hörte ich außerdem zum ersten mal von zwei Distributionen, die einen ganz neuen, revolutionären Ansatz verfolgten: Es handelt sich um "Rock Linux" und "Gentoo Linux". Beide bestehen nicht aus vorkompilierten Paketen, sondern basteln sich das System nach des Users Wunsch selbst zusammen - quasi "Linux from Scratch" für Dummies. Das war natürlich der Himmel auf Erden für jemanden wie mich, zumal sich dann mein neuer Rechner nicht allzu sehr langweilte. Ich entschied mich damals für Gentoo. Das CD-Image war schnell gezogen und gebrannt und die Installation verlief zu meiner Überraschung alles andere als schwer. Inzwischen habe ich auch Gentoo einige Male installiert - und wie so oft lag der Fehler nicht bei Linux: Ich hatte massive Probleme mit meinem selbst zusammengestückelten Rechner, bis mir schließlich auch noch das Mainboard abgeraucht ist. Inzwischen läuft Gentoo nicht nur seit Ewigkeiten stabil, ich setze es auch bei meinen 7 von 5 Linux-Rechnern ein (der Router läuft beispielsweise mit Fli4l). Es ist inzwischen ein gutes halbes Jahr her, seit ich das letzte Mal Windows gebootet habe. Denn dieses Stück Software (wie jeder richtige Linux-Jünger, der etwas auf sich hält, weigere auch ich mich, Windows als Betriebssystem zu bezeichnen) verweigert mit mehr als 512 MB RAM seinen Dienst. Aber wie heißt es doch so schön: "Früher oder später emulieren wir euch." |
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